Überdosen mit Fentanyl verlaufen oft so schnell, dass niemand rechtzeitig das Gegenmittel Naloxon geben kann. Eine Arbeitsgruppe der Virginia Tech hat deshalb ein Pflaster entwickelt, das auf Fentanyl im Körper selbst reagiert. Die Arbeit erschien am 9. Juli 2026 in Advanced Science.
Wie das Pflaster funktioniert
Das Pflaster mit dem Namen iNal hat 121 Mikronadeln und ist kleiner als eine Münze. Es enthält winzige Siliziumdioxidpartikel, die mit Naloxon gefüllt und mit Erkennungsmolekülen für Fentanyl verschlossen sind. Trifft Fentanyl auf diese Moleküle, öffnen sich die Partikel und geben das Gegenmittel frei, und zwar umso mehr, je mehr Fentanyl vorhanden ist.
Die Ergebnisse
Im Labor reagierte das Pflaster innerhalb von Minuten und gab bis zu 24 Stunden lang Naloxon ab. Bei Mäusen hob es die Folgen einer Fentanylvergiftung auf, die Tiere verhielten sich danach wieder normal. Es reagierte auf mindestens drei getrennte Fentanylgaben, was vor einem erneuten Abfall der Atmung schützen soll.
Was die Studie nicht zeigt
Es handelt sich um einen Machbarkeitsnachweis im Labor und an Mäusen, Versuche am Menschen gibt es nicht. Die Autoren nennen selbst offene Fragen zur Haltbarkeit, zu verschiedenen Hauttypen und zur Genauigkeit bei anderen Opioiden.
Unsere Einordnung
Das Prinzip, dass ein Pflaster einen Stoff im Körper erkennt und daraufhin selbst einen Wirkstoff abgibt, lässt sich auf viele andere Anwendungen übertragen. Wir sehen darin eine der spannendsten Richtungen der transdermalen Forschung.



