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Diagnostik und Sensorik

Nierenschaden erkennen mit einem Pflaster, das keine Kühlung braucht

Eine dünne Schutzhülle hält Antikörper auf Mikronadeln wochenlang aktiv. Beim Menschen stimmten die Werte aus der Haut eng mit dem Blut überein.

berlimed Insights

Mikronadeln können Gewebeflüssigkeit aus der Haut erfassen und so Blutabnahmen ersetzen. Ein praktisches Hindernis sind die empfindlichen Antikörper, die für den Nachweis nötig sind und meist gekühlt werden müssen. Die Washington University in St. Louis hat dafür mit der Texas A&M University eine Lösung vorgestellt.

Der Ansatz

Die Forschenden umhüllen mit Antikörpern beschichtete Mikronadeln mit einer sehr dünnen Schicht aus einem metallorganischen Gerüst, genannt ZIF-8. Die Nadeln erfassen in der Haut den Biomarker NGAL, der bei akutem Nierenschaden ansteigt. Der Nachweis erfolgt direkt auf der Nadel.

Die Ergebnisse

Die Antikörper blieben nach vier Wochen mit Temperaturwechseln bis 50 °C aktiv, auch ein langer Versand ohne Kühlung schadete nicht. Bei Mäusen folgten die Werte aus dem Pflaster den Blutwerten und stiegen früher an als die üblichen Nierenwerte. Bei Menschen lag das Pflaster fünf Minuten auf, die Werte waren etwas niedriger als im Blutplasma, aber eng korreliert. Es kam zu keiner Blutung, die Haut erholte sich innerhalb von 30 Minuten.

Was die Studie nicht zeigt

Wie viele Menschen getestet wurden, geht aus der Zusammenfassung und der Mitteilung der Universität nicht hervor. Grenzwerte für Gewebeflüssigkeit, nach denen Ärzte handeln könnten, müssen die Autoren erst noch festlegen. Eine klinische Studie mit Nierenpatienten steht aus.

Unsere Einordnung

Die Kühlkette ist bei Diagnostik auf Mikronadelbasis ein unterschätztes Problem in Herstellung und Logistik. Eine Beschichtung, die Antikörper ohne Kühlung schützt, macht Tests für zu Hause und in der Praxis deutlich realistischer.